
Lesebrief der Unia Jugend Oberwallis zum Hungerstreik von Bernard Rappaz, erschienen am 5. Juli 2010 im Walliser Bote
Pokerspiel um ein Menschenleben
Bernard Rappaz befindet sich im Universitätsspital in Genf, nicht als Patient, sondern als Gefangener im Hungerstreik. Die zuständige Staatsrätin Esther Kalbermatten will es Hart auf Hart kommen lassen und will Rappaz keine weitere Haftunterbrechung zur Genesung gewähren. Die Angst ihr Gesicht bei bürgerlichen Kreisen im Wallis zu verlieren, lässt sie einen harten Kurs gegen diesen fahren. Doch Esther sollte sich nicht um diese kurzen Aufschreie kümmern, viel schlimmer wird der Aufschrei beim Tod von Rappaz sein. Der wird auf Ihre Kappe gehen und viele die ihr heute applaudieren, werden heuchlerisch sie verurteilen und ihren Rücktritt fordern. Dann wird sich nicht mehr ein anonymer Richter in der Nouvelliste äussern oder die SVP, sondern die Weltöffentlichkeit wird empört aufschreien. Rappaz wäre der erste Hungerstreikende im Gefängnis, welcher in der Schweiz sterben würde. Esther hör nicht auf die Einflüsterer und menschenverachtenden Hardliner um dich! Lass dein Gewissen und Herz sprechen. Das sagt dir, dass Rappaz nicht sterben darf! Denn es geht bei der ganzen Problematik nicht um ein (Poker)Spiel zwischen Dir und Rappaz, nicht darum wer die besseren Karten hat – den beide könnt ihr momentan nur verlieren - es handelt sich schlicht und einfach um ein Menschenleben. Dieses Menschenleben soll nicht mittels gefährlicher und schädlicher Zwangsernährung gerettet werden! Das Leben muss mit Haftunterbruch und Genesung erhalten werden! Juristisch wird Rappaz seine Strafe sowieso absitzen müssen. In dem Fall verlängert sich seine Haftzeit halt - aber er lebt wenigstens! Und an deinen Händen klebt kein Blut.
Unia Jugend Oberwallis